Presse

 

Auf den Geschmack gekommen

 

Seinen gut bezahlten Job in einem großen Möbelhaus hängte er an den Nagel und entschied sich für eine Rückkehr zu den Wurzeln: Franz Bissinger stieg in den elterlichen Hof in Ellzee ein, auf dem seit Generationen Landwirtschaft betrieben wird. Der 34-Jährige ging allerdings einen anderen Weg: Er spezialisierte sich auf die direkte Vermarktung von Rindfleisch. Der immer größer werdende Kundenkreis bestätigte die Entscheidung. Die Direktvermarktung ist für viele Landwirte mittlerweile eine wichtige Einkommensquelle. Oder gar die Chance, nicht in den Nebenerwerb wechseln zu müssen, wie Matthias Letzing vom Bauernverband sagt. Im Kreis gibt es über 60 Landwirte, die ihre Lebensmittel anbieten. Von Maximilian Czysz

 

Die Weide bei Neuburg spielt für die Qualität der Fleischerzeugnisse eine besondere Rolle, sagt Direktvermarkter Franz Bissinger (rechts) aus Ellzee. Ihm zur Seite stehen (von links) Tobias, der erfahrene Helfer Josef Hoser und Martin.

Foto: Maximilian Czysz

 

Unternehmerisches Risiko

Erzeuger und Konsument treten in Kontakt: Das mag idyllisch klingen, sagt Georg Stark, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach. "Ganz so einfach ist es aber nicht." Die Direktvermarktung bedeutet viel Idealismus, dazu kommen Formalitäten und Vorschriften und nicht zuletzt ein unternehmerisches Risiko. "Man braucht einen langen Atem", sagt Stark. Beim eloquenten Bissinger ging es schnell: Die gute Qualität seiner Erzeugnisse war die beste Werbung. "Es ging von Mund zu Mund und über Bekannte." Es braucht nicht lange, bis der 34-Jährige fein marmoriertes Fleisch schmackhaft macht und das Interesse für besondere Rinderrassen weckt. Außerdem berichtet er nachvollziehbar, was ihn von anderen unterscheidet: Er begleitet beispielsweise die Tiere vom Anfang bis zum Ende. Selbst beim Zerlegen durch einen ihm bekannten Metzger ist er dabei. Ein Schlachthof kommt für ihn nicht infrage. Denn der zahlt nicht nach Geschmack und Gentechnikfreiheit. "Alles ist sehr arbeitsintensiv", sagt er. Als er vor Jahren mit Angus-Rindern anfing, hatte er ein Kühlfahrzeug von einem Nachbarn bekommen, mittlerweile hat er ein eigenes, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Ein weiteres Erfolgsrezept von Bissinger: "Service ist alles."

Für seine Kunden hat er beispielsweise Rezeptvorschläge zusammengestellt, wer will, kann mit Bissingers Fleisch Pesto-Schinken-Rouladen im Spätzlenest kreieren oder Rinderfilet mit Spargel. Bissinger hat seinen Kundenkreis, der auf den Geschmack gekommen ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Schließlich ist es die Macht der Gewohnheit, die Kunden an die Supermarkt-Fleischtheke führt. Dort gibt es immer Fleisch. "Das macht es nicht gerade leicht", sagt Stark.

Er kennt eine weitere Möglichkeit für Direkterzeuger, die immer größere Resonanz erfährt: In Ballungsräumen bieten größere Handelsketten Produkte des Netzwerks "Unser Land" an: Unter einem eigenen Logo haben sich Landwirte zusammengeschlossen, um gemeinsam zu vermarkten.

 

Solidargemeinschaft

Zehn Solidargemeinschaften, die elf Landkreise rund um München, ergänzt durch Augsburg umfassen, setzen sich für das Ziel ein, die Lebensgrundlagen von Menschen Tieren und Pflanzen zu erhalten. Rund 200 Partner aus Landwirtschaft, Handwerk und Handel arbeiten mit dem Netzwerk zusammen. "Das wäre eine Möglichkeit. In Ballungs- räumen funktioniert es besser. Man muss Geduld haben, ob es auch in unseren Landkreis kommt", sagt Stark.

 

 

 

 

 

Du bist, was du isst – Wir sind, was wir essen

Bald ist alles wieder in Ordnung. Die Verantwortlichen für den Dioxinskandal, für das krebs-erzeugende Gift in Fleisch und Eiern, werden dingfest gemacht und bestraft, neue Regeln für die Nahrungsmittelproduktion treten in Kraft und wir können wieder unbesorgt essen. So jedenfalls sagt man uns.

Natürlich wissen wir es längst: An der Art und Weise, wie hierzulande industriell Nahrungsmittel produziert werden, ist gar nichts mehr normal, schon lange nicht. Wir kennen die Bilder von Tieren in Massenaufzuchtanlagen, wir wissen vom gnadenlosen Preiskampf unter den Erzeugern, und zugleich erwarten wir makellose pralle Tomaten und appetitlich rosafarbene Schnitzel zu möglichst niedrigen Preisen. Dass das nicht zusammenpasst, dass das weder für die Tiere noch für die Menschen gesund sein kann, ist eigentlich auch klar, und vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand einen Weg findet, noch billiger zu produzieren, und damit den nächsten Lebensmittelskandal heraufbeschwört.

Viele sagen: Das ist zwar nicht schön, es geht aber nicht anders. Schließlich müssen wir Millionen von Menschen ernähren, das kann man nicht mit netten kleinen Bauernhöfen schaffen. Viele sagen: Es ist doch gut, dass die Lebensmittel heute so billig sind, dass sie sich jeder leisten kann. Nicht alle haben soviel Geld um im Bio-Laden, oder soviel Zeit um direkt beim Bauern einzukaufen. Einfacher ist es schon alles in einem Supermarkt mitzunehmen, man spart Zeit. Doch billiger als beim Bauern ist es oft nicht, da der Zwischenhandel ja ausfällt. Nur die Massenprodukte sind billiger, doch die Qualität leidet stark dadurch.

Für den buddhistischen Mönch Thich Nhat Hanh hat das bedeutende Konsequenzen. „Stellen Sie sich vor“, sagt er, „Sie müssten Ihr ganzes Leben in einem Käfig verbringen. Sie dürften sich nicht frei bewegen, Sie müssten Tag und Nacht an derselben Stelle aushalten. So leben die meisten unserer Hühner, auch heute noch. Sie dürfen sich ihre Nahrung nicht selber suchen, sie wird eingestreut. Durch künstliches Licht wird der Tag-und-Nacht-Rhythmus beschleunigt, damit sie mehr Eier legen. Sie werden allmählich verrückt, voller Frustration, Schmerzen und ohnmächtiger Wut. Und damit sie in ihrer Verzweiflung nicht wild um sich picken, wird Ihnen der Schnabel beschnitten.“ Das ist nicht bloß bedauerlich, meint Thich Nhat Hanh, dieses Leben zeichnet sich tief in die Tiere ein. Und wenn wir die Eier oder das Fleisch dieser Hühner essen, dann nehmen wir damit auch ihre Verzweiflung, ihre Aggression, ihre Wut in uns auf. Nicht unbedingt als chemisch nachweisbares Gift, aber als spirituelles Faktum, als Akzeptieren dieser Grausamkeit. Die Menschen irren sich, sagt Thich Nhat Hanh, wenn sie glauben, das täte ihnen nichts. Zum ältesten Wissen der Menschheit gehört die Erkenntnis:

Wir sind, was wir essen.

 

 

 

 

 

Wie gefährlich sind Dioxine?

Dioxine können bei Menschen das Immunsystem schwer beschädigen, sie können Krebs hervorrufen und die Haut zerstören. Das größßte Problem: Dioxine kommen in fast allen Lebensmitteln vor - aber normalerweise in unbedenklichen Mini-Mengen. Nun ist es aber so, dass die Belastung durch Dioxine in unseren Lebensmitteln wegen der Umweltbelastung ständig steigt. Das hat dazu geführt, dass bereits jetzt einige Lebensmittel als bedenklich belastet gelten

Natürlich wissen wir es längst: An der Art und Weise, wie hierzulande industriell Nahrungsmittel produziert werden, ist gar nichts mehr normal, schon lange nicht. Wir kennen die Bilder von Tieren in Massenaufzuchtanlagen, wir wissen vom gnadenlosen Preiskampf unter den Erzeugern, und zugleich erwarten wir makellose pralle Tomaten und appetitlich rosafarbene Schnitzel zu möglichst niedrigen Preisen. Dass das nicht zusammenpasst, dass das weder für die Tiere noch für die Menschen gesund sein kann, ist eigentlich auch klar, und vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand einen Weg findet, noch billiger zu produzieren, und damit den nächsten Lebensmittelskandal heraufbeschwört.

Viele sagen: Das ist zwar nicht schön, es geht aber nicht anders. Schließlich müssen wir Millionen von Menschen ernähren, das kann man nicht mit netten kleinen Bauernhöfen schaffen. Viele sagen: Es ist doch gut, dass die Lebensmittel heute so billig sind, dass sie sich jeder leisten kann. Nicht alle haben soviel Geld und Zeit,  beim Bauern einzukaufen. Einfacher ist es schon alles in einem Supermarkt mitzunehmen, man spart Zeit. Doch billiger als beim Bauern ist es oft nicht, da der Zwischenhandel ja ausfällt. Nur die Massenprodukte sind billiger, doch die Qualität leidet leider stark dadurch.

 

Eingesperrt in einen Käfig

Heißt das, wir müssen die Situation so akzeptieren, wie sie ist, weil wir ja auch etwas davon haben? Interessanterweise sind es die Religionen, die uns sagen, dass das zu kurz gedacht wäre. Ihre Heiligen Schriften erzählen davon, dass Nahrung mehr ist als nur Handelsware, dass sie nicht nur den Körper ernährt, sondern auch die Seele.

Für den buddhistischen Mönch Thich Nhat Hanh hat das bedeutende Konsequenzen. "Stellen Sie sich vor", sagt er, "Sie müssten Ihr ganzes Leben in einem Käfig verbringen. Sie dürften sich nicht frei bewegen, Sie müssten Tag und Nacht an derselben Stelle aushalten. So leben die meisten unserer Hühner, auch heute noch. Sie dürfen sich ihre Nahrung nicht selber suchen, sie wird eingestreut. Durch künstliches Licht wird der Tag-und-Nacht-Rhythmus beschleunigt, damit sie mehr Eier legen. Sie werden allmählich verrückt, voller Frustration, Schmerzen und ohnmächtiger Wut. Und damit sie in ihrer Verzweiflung nicht wild um sich picken, wird Ihnen der Schnabel beschnitten." Das ist nicht bloß bedauerlich, meint Thich Nhat Hanh, dieses Leben zeichnet sich tief in die Tiere ein. Und wenn wir die Eier oder das Fleisch dieser Hühner essen, dann nehmen wir damit auch ihre Verzweiflung, ihre Aggression, ihre Wut in uns auf. Nicht unbedingt als chemisch nachweisbares Gift, aber als spirituelles Faktum, als Akzeptieren dieser Grausamkeit. Die Menschen irren sich, sagt Thich Nhat Hanh, wenn sie glauben, das täte ihnen nichts. Zum ältesten Wissen der Menschheit gehört die Erkenntnis: Wir sind, was wir essen

 

Fakten zu Dioxin

Das größte Problem bei diesen hochgiftigen chemischen Verbindungen: Man kann sie nicht sehen, riechen oder schmecken.
Sie gelangen über die Nahrungsmittelkette in den Körper und reichern sich besonders im Fett und der Leber an.
Sie sind nur schwer abbaubar und werden deshalb kaum kurzfristig wieder ausgeschieden.
Dioxine sind unerwünschte Nebenprodukte, die bei bestimmten industriellen Verfahren und bei Verbrennungsprozessen zwangsläufig entstehen.

 

 

 

 

 

Maßlosigkeit vergiftet unsere Lebensmittel

Wie viele Skandale braucht es noch? Nach - BSE, Acrylamid, Dioxin-Hühnern, Antibiotika-Schweinen, Dioxin in Bio-Getreide, Hormon-Skandal im Kalbfleisch, Glykol und Methanol im Wein,….. - ist kein Ende in Sicht. Der jetzige Dioxin-Skandal (Ursache: Mischfutterhersteller) offenbart die Gier nach Billignahrung. Nur ein Bewusstseinswandel kann die Qualität unseres Essens auf Dauer verbessern.

Dabei wird niemand an dioxinverseuchten Produkten akut erkranken, niemand daran sterben. Es ist ein schleichender Prozess, die Ansammlung im menschlichen Körper über die Zeit ist das Problem. Dioxine können bei Menschen das Immunsystem schwer beschädigen, sie können Krebs hervorrufen und die Haut zerstören. Dioxine lagern sich vor allem im Fettgewebe und in der Leber ab und reichern sich dort an. Sie gelten unter Forschern als die gefährlichsten von Menschen hergestellten Umweltchemikalien. Sie sind extrem langlebig und werden so gut wie gar nicht abgebaut. Dioxine werden bereits vom mütterlichen Organismus auf ungeborene Babies übertragen. Das setzt sich dann beim Stillen fort. Für Säuglinge ist eine überhöhte Dioxinbelastung besonders gefährlich, weil es die Organbildung und die Entwicklung des Immunsystem beeinträchtigt.

Die Krux liegt in diesem und vergangenen Skandalen viel tiefer und uns dämmert, dass etwas ganz Grundsätzliches verkehrt läuft. Wir sind zu rücksichtslosen Essern geworden, deren Motto lautet: lieber billig als gerecht, Masse statt Qualität.

Unsere Lebensmittel sind heute nicht nur günstiger denn je, sondern vielen Menschen so wenig wert wie nie zuvor. Noch vor wenigen Jahrzehnten gaben die Deutschen gut die Hälfte ihrer Einkommen für Nahrung aus, heute sind es keine 12 Prozent mehr. Die Industrialisierung der Nahrung hat ein Ausmaß angenommen, dass der Überblick fast unmöglich scheint. Dabei sind Lebensmittel aus der Industrieküche auch eine Errungenschaft – nie waren sie sicherer und hygienischer. Weil aber der Verbraucher nach Spottpreisen schreit, ist der ideale Nährboden für Trickser, Betrüger und Manipulatoren gegeben.

Wir wissen das, und wer es nicht weiß, ahnt es. Auch deswegen ist das Interesse an dem derzeitigen Dioxin-Skandal so groß. Es geht nicht nur um das Gift in unseren Lebensmitteln. Längst hat unser Konsumverhalten unsere Nahrung verseucht. Allerdings können wir etwas dafür tun, sie besser zu machen. Der Verbraucher muss fragen, woher seine Lebensmittel kommen. Er sollte nicht die Augen verschließen vor einer Industrie, die im Preiskampf alles Mögliche in unser Essen mischt – Erlaubtes und Unerlaubtes.